Sächsische Himalaya Gesellschaft e.V.


4. Aufbau der Hochlager (22./23.4.)- Frank Meutzner berichtet

Unsere Vierergruppe (Götz, Ole, George, Meutz) startete am 17.4. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag in das Camp 2 umziehen. Aber Dieter und Meppel waren einen Tag länger als geplant in Camp 1 geblieben und so war Lager 2 noch besetzt. Es ist gar nicht so einfach, bei drei agierenden Teams immer den optimalen Ablauf zu erreichen. So planten wir also schnell um und beschlossen, einen Materialtransport ins Camp 2 zu machen und wieder ins Camp 1 abzusteigen. Schon fünf Uhr am nächsten Morgen weckte uns das Piepsen der Armbanduhr. Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Route führt durch einen Eisbruch. Immer wieder schlängelt sich der Weg steil an Eistürmen vorbei, der größte Teil dieser Route wurde mit Fixseilen abgesichert. Gletscherspalten und bis zu 60° steile Eisaufschwünge machen dies erforderlich und den Auf-und Abstieg sicherer. Es ist wirklich eine imposante Wegführung. Nach ca. 2-3 Stunden erreicht man einen kleinen Kessel.Umgeben von Eiswänden geht es mal links und rechts entlang wie durch einen Irrgarten. Auf der dann folgenden Plattform sieht man hinter einer Schneemauer gerade noch die Spitze unseres Zeltes im Lager 2. Ca. eineinhalb Meter tief ist das Zelt eingegraben und so vor den starken Winden geschützt. Wir bauten ein zweites Zelt auf, daß wir mitgebracht haben und graben es tief ein. Die Höhe macht sich beim Schaufelndoch ganz schön bemerkbar. Mein Höhenmesser zeigt 6200m. Nach dem Mittag zieht es zu und es kommt Wind auf. Wir deponieren noch die weitere Ausrüstung, die wir mit hochgebracht haben, in den Zelten und steigen ab. Mußte man sich vier bis fünf Stunden "hochquälen" so dauert der Abstieg nur knapp eine Stunde. Mit verreiften Haaren erreichen wir bei dichtem Nebel und Wind nachmittags wieder unser Lager 1. 18.45 Uhr dann Funkkontakt mit unserem ABC, wo Max, Ehrli und Volker sitzen und mit Lager 2 wo sich Dieter und Meppel befinden. Alle fühlen sich gut und der weitere Ablauf wird abgesprochen. 19.00 Uhr dann die allabendliche internationale Funkrunde. So wissen wir immer, wer wo ist und was vorhat. Im Notfall ist dadurch schnelle Hilfe möglich.

            
Im ABC                               Weg zu Lager 1               Lager 1

Wir steigen am nächsten Morgen wieder ins Camp 2. Der Blick wird frei auf die umliegenden Berge und Täler. Deutlich ist das Tal zu sehen, durch das unsere Anmarschroute führte. Dahinter bauen sich gigantische Siebentausender auf, die Ganeshgruppe. Je höher man kommt, desto mehr wird der Blick nach Tibet frei. Aus unserer Perspektive sieht man vom Manaslu nur den vorgelagerten Pinnacle Peak des. Der Blick zum eigentlichen Hauptgipfel werden wir erst haben, wenn wir das riesige Gipfelplateau erreichen. Das ist allerdings ca. 7500 m hoch. Schon 16.00 Uhr verschwindet die Sonne hinter dem 7100m Northpeak und wir in unseren Schlafsäcken, da es empfindlich kalt wird. Am nächsten Morgen ist wieder bestes Wetter. 7.30 Uhr geht's los in Richtung Camp 3. Mit im Gepäck sind ein weiteres Zelt, 16 Snowbars, das sind 30-50 cm lange Aluhäringe zum Befestigen der Zelte und Fixseile, Kocher, Topfset, 15 Markierungsstangen, Schneeschaufeln und warme Sachen für uns. Der Wind in der Nacht hat die Spuren zugeweht, so daß wir spuren müssen. Aber trotzdem geht es zügig voran, teilweise leicht ansteigend, teilweise steile Schneefelder hinauf. Meppel und Dieter haben oben ein Zelt deponiert, aber wir wollen versuchen, unser Camp 3 weiter oben zu errichten, damit der Weg zum Camp 4 dann nicht so weit ist. So biegen Götz und ich von der Route in das Lager ab und steigen weiter auf ins sogenannte Northcol, ein großer Schneesattel der den Northpeak vom Manasluhauptgipfel trennt. Aber die einstündige Mühe wurde nicht belohnt. Im Sattel bläst ein eiskalter starker Wind. Mit viel Mühe wäre es möglich, einen windgeschützten Platz für die beiden Zelte aus dem Schnee auszugraben. Aber das Hauptproblem sind die großen Eisabbrüche am Beginn des Gipfelplateaus in ca. 7400m Höhe. Wenn dort wirklich etwas abbricht, so stürzt es genau in Richtung unseres Lagers. Das andere schon ihr Lager hier aufgeschlagen hatten, zeigen uns aber alte Spuren. Etwas enttäuscht steigen wir wieder ab. Die einzige Belohnung war ein großartiger Blick vom Northcol in Richtung Annapurnagebiet und wir konnten den Himlun sehen, einen 7000er. Also steigen wir wieder ab.

Die Spanier, also besser gesagt Katalanier, und Ed Viestors und Vaikka Gustafsen sind auch im Camp 3 Sie wollen am nächsten Tag ins Camp 4 und tags darauf zum Gipfel. Jetzt steht wieder mal die große Frage wie hoch sind wir eigentlich. Die Höhenmesser zeigen Höhen von 6600 bis 6800m an. Meppel hatte mit dem GPS-Gerät 6700m plusminus 50m messen. Wenn man dann wieder Literaturangaben über den 100m weiter oben gelegenen Northcol liest kommt man schon ins Zweifeln. In einigen Karten und Berichten ist der nämlich mit 7100m angegeben. Es gibt also immer wieder ganz interessante Diskussionen über die Höhe. Eigentlich ist es ja egal, denn wir wollen ja ganz hoch und das sind 8163m und daran gibt es keinen Zweifel.

mangraf.gif (15926 Byte)

Auf jeden Fall müssen wir im Camp 3 jetzt erst mal die beiden Zelte aufstellen. Zwei Stunden sind wir zu viert damit beschäftigt eine große Plattform aus dem Schneehang auszugraben. Das ist ganz schön anstrengend in dieser Höhe.

Jetzt heißt es erstmal absteigen und schon nach 40 min. sind wir im Camp 2 angelangt wo mittlerweile Max, Ehrli und Volker angekommen sind. Wir besprechen die weiteren Arbeiten und weiter geht's über Camp 1  gleich noch ins ABC. So können wir der alten Akklimatisationsregel "gehe weit hoch - schlafe tief unten" optimal gerecht werden. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir dann nach dieser Mammuttour ziemlich fertig unser ABC. Unsere Anstrengungen werden mit einer Flasche Bier für jeden, aus dem Expeditionsfundus für besondere Anlässe, belohnt.

Aber es gab am nächsten Tag Wichtiges zu tun. Unser Lager drohte nämlich wegzuschwimmen. Die kleinen Bächlein, die bis jetzt zwischen unseren Zelten flossen, werden immer größer und versuchen unsere Zelte zu unterspülen. Es sieht überhaupt ganz lustig aus. Die Zelte sehen aus wie Adlerhorste. Ca. 1m über dem jetzigen Erdboden stehen sie nun auf dem noch nicht weggetauten und weggespülten Schneepodest. Ringsherum fließen Bäche und zum anderen Zelt kommt man nur durch geschicktes Springen. Da aber das Schmelzwasser immer mehr wird, sind wir für einen Tag zu Kanalbauern geworden. Fast wie früher als wir noch Kinder waren, nur daß das hier nicht bloß Spaß ist. Aber heute hat sich das Wasser schon wieder neue Wege gesucht und die Zelte teilweise etwas unterspült so daß wir vielleicht ein paar Zelte umzusetzen werden.

 

23.4.99, ABC Manaslu, 14.00 Uhr Ortszeit
Heute haben wir das Technikzelt und das Essenszelt an einem anderen Standort aufgebaut. Dieter und Meppel sind heute wieder aufgebrochen. Sie wollen Camp 4 einrichten und wenn es ihnen richtig gut geht, wollen sie vielleicht einen Gipfelversuch wagen. Das legen sie aber erst fest wenn sie dort oben sind. Unsere besten Wünsche haben sie auf jeden Fall. Unsere Vierergruppe wird am 25.4. starten und je nachdem, wie weit die beiden vor uns gekommen sind, wollen wir Lager 4 aufbauen oder weiter ausstaffieren und wollen einen Gipfelversuch wagen. Gipfeltermin soll der 28.4. oder 29.4. sein. Das hängt davon ab, ob wir beim Aufstieg über die Lagerkette ein Lager überspringen oder nicht. Dies hängt wiederum von Dieters und Meppels Entscheidung ab, was sie machen werden. Auf jeden Fall hoffen wir auf schönes Wetter und gegenüber letztem Jahr am Makalu haben wir einen entscheidenden Vorteil, es ist Vollmond. Wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte mit dem Gipfel, haben wir dann immer noch genug Zeit für einen weiteren Versuch. Nach uns wird dann die Dreiergruppe zum Gipfelversuch aufbrechen, die dann den Vorteil hat, daß die Lagerkette komplett steht und sie genaue Angaben über den Wegverlauf und die Schwierigkeiten zum Gipfel von uns haben.

Ganz herzliche Grüße von allen und an alle von Frank Meutzner   

lager1.jpg (11718 Byte)    Lager 1

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